Presseaussendung und Fotos
Beschriftung:
Kopf vorne:
Ein Denkmal,
das einen Nationalsozialisten würdigt,
verharmlost den Nationalsozialismus
und die Shoah.
Kopf hinten:
Nazis Positionen im öffentlichen Raum entziehen
vorne:
THIS SIDE DOWN
hinten:
Josef Weinheber, Lyriker, Erzähler und Essayist, war aktiver Nationalsozialist. Er trat 1931 der NSDAP bei und war ab 1933 Fachschaftsleiter für Schrifttum im „Kampfbund für deutsche Kultur“. Seine Arbeiten stellte Weinheber in den Dienst der Nationalsozialist_innen wodurch er zu einem wichtigen Akteur in der Kulturpolitik des Dritten Reichs aufsteigen konnte. Adolf Hitler setzte ihn auf die so genannte „Gottbegnadeten-Liste“, ein Verzeichnis von 1.041 NS-Künstler_innen, die aufgrund der Wichtigkeit ihres Schaffens vom Kriegsdienst freigestellt waren. Im April 1945, einen Monat vor der sich abzeichnenden Niederlage, beging Josef Weinheber Selbstmord.
rechts:
aus
Elisabeth Klamper:
Zur politischen Geschichte der Akademie der bildenden Künste 1918 bis 1948.
in
Im Reich der Kunst. Die Wiener Akademie der bildenden Künste
und die faschistische Kulturpolitik.
Hg.: Johann Seiger, Michael Lunardi, Peter Josef Populorum
Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1990
Nachdem die Professoren- und Studentenschaft der Akademie von "Juden", "jüdisch Versippten" und "Systemanhängern" gesäubert worden war, ging das Rektorat bzw. die kommissarische Leitung daran, auch den Platz vor dem Akademiegebäude, den Schillerplatz, "judenrein" zu machen. Am 10. Dezember 1938 brachte es in einem Schreiben an den Gaukulturleiter und Vizebürgermeister Blaschke seine Empörung darüber zum Ausdruck, daß die Parkanlage am Schillerplatz als Aufenthaltsort für Juden diente. Seit August 1938 war es Juden per Verordnung des Polizeipräsidenten von Wien verboten, bestimmte – im Verordnungsblatt namentlich aufgeführte – Parkanlagen zu betreten. Die Parkanlage am Schillerplatz zählte offensichtlich nicht zu den für Juden gesperrten Anlagen:
"Die kommissarische Führung der Akademie hat zu ihrem größten Befremden wahrgenommen, daß der Schillerplatz als Aufenthaltsort für die Juden freigegeben wurde. Ausgerechnet unter unserem Schillerdenkmal, welches jeden volksbewußten Deutschen mit Ehrfurcht vor unserem größten Dichter gemahnt, sitzen jetzt tagsüber auf den Bänken dichtgedrängt die unliebsamen Fremden welche wir so gerne aus dem Weichbilde unserer Stadt entfernt sehen möchten.
Die Bänke des Schillerplatzes sind in den Ruhepausen seit 60 Jahren der Lieblingsaufenthalt für unsere Studenten im Freien, um hier etwas frische Luft zu schöpfen. Diesen volksbewußten jungen Künstlern war es eine bittere Enttäuschung, diesen schönen Platz jetzt so unschön bevölkert zu sehen.
Daß es bis jetzt zu Störungen der Ruhe nicht gekommen ist, ist nur der besonnenen, ruhigen taktvollen Haltung unserer Studierenden zuzuschreiben.
Umso peinlicher ist es aber, daß vor einigen Tagen ein im Hause beschäftigter Handwerker, welcher seine Mittagspause im Freien verbringen wollte, zusehen mußte, als kleine Judenbuben mit großen Steinen Zielübungen auf das Monument ausführten. Dieser Handwerker hat in Entrüstung über diese Wahrnehmung die Wache aufgerufen, welche dann einschreiten mußte.
Die kommissarische Leitung der Akademie fühlt sich verpflichtet, auf diese Tatsachen hinzuweisen und um Abänderung zu bitten."
Dank des niederträchtigen Eifers der kommissarischen Leitung trat mit Anfang des Jahres 1939 tatsächlich eine Änderung ein: Am 18. Jänner 1939 teilte der Magistrat der Stadt Wien mit, daß "die Angelegenheit des Besuches der Gartenanlage auf dem Schillerplatz durch Juden (...) durch die zuständigen Stellen erledigt worden" ist.
1940 wurde die Büste Josef Weinhebers hergestellt. Ihr Autor, Josef Bock, war Absolvent der Akademie der bildenden Künste, für die vom Oberkommando der Wehrmacht organisierte Ausstellung "Krieg und Kunst" fertigte er eine Büste Adolf Hitlers an. 1975 wurde die Büste Weinhebers auf einem einzementierten Granitsockel des Bildhauers Heribert Rath aufgestellt.
links:
Ein Denkmal, das einen Nationalsozialisten würdigt, verharmlost den Nationalsozialismus und die Shoah.
Allen Personen, die sich faschistischer Verbrechen schuldig gemacht haben, Personen, die Mitglieder der Vaterländischen Front oder einer ihrer Vorfeldorganisationen waren, Personen, die Mitglieder der NSDAP oder einer ihrer Vorfeldorganisationen waren, müssen repräsentative Positionen im öffentlichen Raum sofort entzogen werden. Wir rufen alle Bewohner_innen Wiens auf, die Geschichte ihrer Wohn- und Arbeitsstätten sowie sonstiger Aufenthaltsgegenden kollektiv, selbstbestimmt und kritisch zu erforschen und nach antifaschistischen Grundsätzen zu bearbeiten.
Die Akademie der bildenden Künste veranlasste die Vertreibung der Jüd_innen vom Schillerplatz wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Österreich. Zu dem am selben Platz gewürdigten Nazi Weinheber verhielt sie sich jahrzehntelang indem sie jegliche Äußerung vermied. Spätestens seit Oktober 2009 hat das derzeitige Rektorat Kenntnis von der Nazi-Büste. |